Vorgestern bin ich beim Sport auf eine Sendung gestoßen: „Planet Wissen – Das umstrittenste Pflanzengift der Welt“. Ich hatte diese ganze Glyphosat-Debatte damals gar nicht so mitbekommen, bzw. nicht verfolgt und konnte mich nur noch am Rande erinnern, worum es dabei ging. 

Zur Erinnerung für alle, die sich auch nur noch vage erinnern: Glyphosat ist ein Pflanzengift. Seit den 70er Jahren wird es von der Monsanto hergestellt und von Landwirten auf der ganzen Welt aufs Feld gebracht. Außerdem ist es für jeden Verbraucher in Baumärkten für den eigenen Garten erhältlich, dort heißt es dann ggf. „Roundup“. Im November des letzten Jahres hat dann die EU neu entschieden, ob dieser Unkrautvernichter weiterhin erlaubt werden soll. Die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks hatte empfohlen, dagegen zu stimmen.

Schon mit einer Enthaltung Deutschlands wäre die Zulassung von Glyphosat nicht verlängert worden. Agrarminister Christian Schmidt hatte dann aber überraschend dafür gestimmt, Glyphosat weiterhin zuzulassen. Nachdem ich nun gelesen habe, dass das deutsche Unternehmen „Bayer“ eben genau dieses Unternehmen Monsanto übernehmen soll, kann ich nachvollziehen, warum der deutsche Agrarminister für eine Verlängerung des Hauptproduktes von Monsanto gestimmt hat… Das stellt Bayer dann vielleicht in Zukunft selbst in Deutschland her?! (Spekulationen meinerseits)

Ist Glyphosat krebserregend oder nicht?

In dieser Sendung von ARD alpha, SWR und WDR haben Arbeitsmediziner Prof. Dr. med. Andreas Seidler,  Agrarökologe Prof. Dr. Teja Tscharntke und der SWR-Journalist Manfred Ladwig Position bezogen, ob die Anwendung von Glyphosat Risiken mit sich bringt oder nicht. Besonders spannend fand ich, dass diese Menschen in der Lage waren, Fragen mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten. Das war richtig erfrischend! Nunja, zu den Ergebnissen. In Studien kommt man zu widersprüchlichen Ergebnissen. Es gibt Studien, in denen eine krebserregende Wirkung an Ratten festgestellt wurde. Es gibt aber auch Studien, in denen nichts nachgewiesen werden konnte. Teilweise stammen diese von Monsanto selbst.

Auffällig ist jedoch, dass in Gebieten, in denen Menschen tagtäglich mit dem Gift Kontakt haben, die Leukämie-Fälle bei Kindern und Lymphome gehäuft auftreten. Dies kann mit Glyphosat zusammenhängen, muss aber nicht. Beide Experten äußerten Bedenken bei der Verwendung von Glyphosat und den Auswirkungen auf uns Menschen, weil Glyphosat zwar vom Körper aufgenommen und auch wieder ausgeschieden wird. Aber was es in unserem Körper auf diesem Weg tut, weiß eben noch niemand.

Welche Auswirkungen hat Glyphosat noch?

Erwiesen ist: Es tötet Pflanzen. Nur so ist eine komplette Monokultur von Getreide und anderen Nutzpflanzen möglich. Ökolandwirte schaffen es anders. Sie pflanzen, um Krankheiten und Schädlinge zu reduzieren, nicht jedes Jahr dasselbe auf dem selben Acker, sondern wechseln. So wie wir das zu Hause in unseren Gärten auch tun. Außerdem jäten sie Unkraut mechanisch: sie haben Maschinen, die das Unkraut herausrupfen. Das, was wir mit unseren Händen genauso auch tun. Trotzdem gedeiht ihre Saat auch auf ihrem Acker gut, ganz ohne giftiges Zeug, mit mehr Arbeit – zugegeben. Und der Ertrag ist etwas geringer, wodurch das Produkt etwas teurer wird. 

Es gibt aber weitere Dinge, die mich erschreckt haben: In der Sendung wurde ein weiterer Wissenschaftler zu Insekten befragt. Insektensterben ist in aller Munde, aber ich hatte kein Bild, woher genau das kommt und in welchem Maße, oder ob wieder nur irgendwelche Leute maßlos übertreiben. Leider übertreiben diese Leute nicht. Auf einer bestimmten Fläche zu einer bestimmten Jahreszeit in einem bestimmten Zeitraum wurde Ende der 1980er Jahre noch 1,4 kg Insekten gefangen. Im vergangenen Jahr waren diese nur noch 290 g!!! Glyphosat tötet eben nicht nur Pflanzen, sondern auch Insekten. Nicht, dass mich weniger Insekten stören würden, die Krabbelviecher finde ich auch nur so lala. Ich finde auch die Blattläuse doof, die auf meiner Himbeerpflanze sitzen, freue mich aber dann wiederum wie Bolle, wenn ich einen Marienkäfer sehe, wie er Jagd auf sie macht. 

Reicht das noch nicht?

Aber der Effekt, den dieser Rückgang auf andere Tiere hat, ist eben erschreckend. Viele Vögel können ihre Jungen nicht mehr ernähren, weil sie auf Insekten angewiesen sind. Ihr Rückgang ist massiv. Fröschen fehlt die Nahrungsgrundlage. Fledermäuse ernähren sich von Insekten.

Nochmal zurück, was Glyphosat noch so tötet: Nämlich quasi alles, was auf dem Feld lebt. Es fängt eigentlich schon im Allerkleinsten an – bei den Bakterien. In einem gesunden Boden findet man bestimmte Mikroben. Auf Glyphosat-Feldern sind diese nicht mehr vorhanden. Wurmgetiere, wie Regenwürmer, die ja durchaus sinnvolle Aufgaben in der Erde erfüllen, halten eine Glyphosat-Behandlung nur bedingt durch. Insekten, die auf dem Feld waren, überleben dies ebenfalls nicht und auch Kleinsäuger, wie Feldmäuse oder Hamster, die ohnehin schon selten sind, und vermutlich auch Kaninchen oder Hasenjunge werden vergiftet. Frösche und Kröten, die über diese Felder zu ihren Laichplätzen wandern nehmen über ihre feuchte Haut besonders viel Glyphosat auf. Auch sie schaffen es nicht. 

Was hat das mit mir zu tun?

Ich bin Ernährungsberaterin und keine Umweltaktivistin, mag mancher denken. Aber es ist ja unser Ernährungs- und Konsumverhalten, das diese Auswirkungen hat. 

Wenn es kein Glyphosat mehr gibt, wir aber trotzdem nur 29 Cent für ein Kilogramm Mehl bezahlen wollen und ausrasten, wenn Obst und Gemüse „schon wieder teurer“ geworden ist, dann wird Glyphosat nur durch ein anderes Mittel ersetzt werden und nichts wird sich ändern. Ich finde, es ist ein Umdenken nötig!

Irgendwie erinnert mich dieses Glyphosat an den Fall, dem Julia Roberts als Erin Brokovich damals im gleichnamigen Film nachgegangen ist. Denn besonders spannend ist, was der Journalist Manfred Ladwig in dem Beitrag von Planet Wissen über die Machenschaften zwischen Politik und Monsanto zu berichten hat. Müsste mir beides glatt nochmal ansehen…